Leserbrief 30.11.2020 Brigitte Hirth

30.11.2020 LESERFORUM
„Das ist doch nicht zu fassen“

Zu den Bäumen am Bahnhof
Sind die Würfel schon gefallen? Erst Artenschutz- Untersuchung und dann Abholzung? Kann sich Schwäbisch Hall als „Energy-Award-Stadt“ es leisten, so rücksichtslos und
unzeitgemäß mit Bäumen umzugehen?
Die schöne Baum-Reihe, eine ganze Grünzone zwischen Bahnhof
und Steinbacher Straße, soll abgeholzt werden, fast 200
gesunde Bäume und zahlreiche Sträucher, da, wo wenige Meter weiter demnächst ein neues, dicht bebautes Wohngebiet entsteht? Das ist doch nicht zu fassen!
Und das nach all den Baumfällungen der letzten Jahre: Kocherquartier, Weilerwiese, Unterwöhrd, Schiedgraben. Außerdem wurde aktuell an mehreren Stellen des Kocherufers eine bislang lebendige Ufervegetation systematisch entfernt. Warum nicht endlich mit der Natur planen, statt (häufig) bisher gegen sie?
Ist das nicht genial?
Die weltweit zunehmende Erderwärmung verschont Schwäbisch Hall nicht, da nützen auch die grünen Hänge wenig. Die Kaltluft- Entstehungsfächen oberhalb der Innenstadt sind inzwischen völlig zugebaut. Und: was bleibt, wenn achtlos Bäume in „Kessel-Lagen“ abgeholzt werden: Feinstaub! Das erlebt man jetzt in Stuttgart.
Dass Bäume unsere wichtigsten Verbündeten im Umgang mit der Klima-Erwärmung sind, hat sich doch inzwischen herumgesprochen! Dass sie CO2 binden und überlebenswichtigen Sauerstoff produzieren: Ist das nicht genial? Und auch noch völlig kostenlos! Fakt ist auch, dass sie die Luft filtern, Schatten und Kühle mit sich bringen an heißen Sommertagen und nicht zuletzt ein wunderbarer Lebensraum sind, zum Beispiel von Singvögeln und von vielen anderen wertvollen Kleinlebewesen.
Die Grünfäche beim Bahnhof und entlang der Steinbacher Straße mag – gemessen an der Größe der Innenstadt – klein erscheinen, aber wohnklimatisch leistet sie ganz Erstaunliches. Außerdem erhalten sich die zahlreichen Bäume und Sträucher der Böschung selbst und man könnte sie sicher auch gut mit den Ackeranlagen vernetzen.
Und: Es ist äußerst fraglich, ob die vorgesehenen Baum- Neupfanzungen überhaupt Fuß fassen können. Ein Ersatz sind sie auf keinen Fall. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sie die Klima- Leistung der bereits vorhandenen Bäume erreichen.
All das spricht dringend dafür, die Bauplanung „Bahnhofsareal Nord“ noch einmal zu überdenken und zukunftsfähig zu machen. Mit Sicherheit gibt es menschenfreundlichere Bau-Alternativen. Städteplaner sind sich doch inzwischen einig:
Ein langfristig erträgliches Wohnklima in der Stadt gibt es nur, wenn sämtliche noch vorhandene Grünfächen erhalten und geschützt werden und wenn man sie – wo immer es geht – auch erweitert und miteinander vernetzt.
Brigitte Hirth Schwäbisch Hall

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